hoftheater im Stemmerhof  Münchens neue Bühne

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit

Szenen und Texte von Karl Valentin („Die Zukunft war früher auch besser“) und Liesl Karlstadt

Foto: Rupert J. Seidl

INFO 

Dauer: ca. 90 Min. (inkl. Pause) 
Altersempfehlung: Ab ca. 16 Jahren 
Premiere: 04. Februar 2023 

Besetzung

Adriana Kocijan

Rupert Seidl

Karl Valentin, geboren 1882, starb am Rosenmontag 1948 in München, nicht nur primär an einer Lungenentzündung, wohl vor allem an den Folgen des Hungers. Das München der Nachkriegszeit, blitzartig amerikanisiert, hatte seinen großen Komiker einfach nicht mehr komisch gefunden.

Karl Valentin war weit mehr als der einstmals geliebte Volkshumorist in der Tradition der Münchner Volkssänger, er war ein komisches Genie. Als Vortragskünstler, Musiker, Autor, Darsteller, Clown und Körperverzerrer war er nahezu ein Einpersonen-Panoptikum. Er beriet Bertolt Brecht, der mit ihm auf dem Oktoberfest auftrat. Samuel Beckett sah und schätzte ihn. Kurt Tucholsky beschrieb ihn als einen Linksdenker. Seine Komik, den Dadaisten wie dem Surrealismus verwandt, zieht der Wirklichkeit des Normalen gleichsam den Teppich unter den Füßen weg. Lachen über Karl Valentin ist immer auch tiefe Verunsicherung. Sein Witz dekonstruiert Sprache, Logik und Wirklichkeit.

Er war ebenfalls Museumsgründer, photographischer Chronist seiner Heimatstadt München – und einer der ersten und erfolgreichsten experimentellen wie populären Filmemacher Deutschlands. Gemeinsam mit seiner kongenialen Partnerin Lisl Karlstadt – ohne die sein Werk wohl kaum in dieser Form möglich gewesen wäre – wurde er vor allem durch seine Rundfunkaufnahmen und in seinen zahllosen Kurzfilmen unsterblich.

Die szenische Lesung „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ will den Impuls seiner Komik aus der nostalgischen Sentimentalität einer nur so genannten guten alten Zeit lösen. Nicht nur einem scheinbar gemütlichen Bayern ist er beheimatet, er hat ein aktuelles Heimatrecht in unser aller Gegenwart mit dem Ausblick in eine immer absurder und schrecklicher werdende Zukunft. Und das durchaus nicht als Biedermann sondern als ein veritabler Brandstifter!

 

Rupert J. Seidl, geboren am 24. 08.1955 in Bonn, aufgewachsen in München, studierte von 1977-1980 an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Künste Stuttgart Schauspiel und Regie. Unter Claus Peymann war er von 1980-86 am Bochumer Schauspielhaus engagiert. 1986 gründete und leitete er zusammen mit Pia Bierey und Eckard Koltermann das freie Theaterproduktionsnetzwerk Sezession in Bochum.

Bevor er ab 1990 Intendant des Schlosstheaters Moers wurde, war er dort von 1988-1990 leitender Dramaturg und Schauspieler. Als Intendant realisierte er mit der von ihm gegründeten internationalen Theatervereinigung Rhizom zwei internationale Festivals in Ungarn und in Deutschland. Seit 1999 ist er Schauspieler im Ensemble Roberto Ciullis am Theater an der Ruhr in Mülheim.

 

Adriana Kocijan studierte an der Folkwang-Hochschule Essen Schauspiel/Pantomime. Das Handwerk des Clowns lernte sie von Paco Gonzales. Im Anschluss arbeitete sie als Choreographin an den Münchener Kammerspielen/Schauburg, als Tänzerin am Stadttheater Giessen und als Schauspielerin am Schauspielhaus Düsseldorf. Es folgten Soloarbeiten, Performances und spartenübergreifende Experimente mit verschiedenen Künstlern und Kunstgattungen, die auf internationalen Festivals zu sehen waren, u.a. in Cardiff/England, auf den Festivals Festival de Lille/Frankreich, Big/Italien, Theater-zwang Dortmund, in Krakau/Polen, und auf dem Meeting Neuer Tanz. 1998 gründete sie das freie Ensemble Cantadoras und entwickelte eine eigene, unverkennbaren Theatersprache, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Gegenwärtig ist das Zentrum ihres freien Berufslebens das Theater an der Ruhr und die freie Formation conterbande.

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